Aus:   Jürgen Rabbel, Rostocker Windjammer   Hinstorff-Verlag Rostock 1983  S. 140f. und 146

Schonerbrigg »Heinrich Sellschopp«
Name:»Heinrich Sellschopp«
Werft:Otto Ludewig, Rostock
SchiffstypSchonerbrigg   (Rahschoner)
Stapellauf:1877
Registertonnen:260
Länge:34,32 m
Breite:8,00 m
Raumtiefe:4,26 m

Viele der sogenannten Häfen Afrikas, Südamerikas, Ostasiens und Australiens waren weiter nichts als offene Reeden, auf denen der Umschlag per Leichter vorgenommen werden mußte. Wurde nun ein Segler dabei vom Sturm überrascht, konnte er sich bei günstiger Windrichtung von der Küste freisegeln. Anderenfalls mußte er versuchen, das Unwetter vor Anker liegend abzureiten, was in sehr vielen Fällen durch Bruch der Ketten mit einer Strandung endete. Auf diese Weise gingen auch die Schonerbriggs »Heinrich Sellschopp« und »Arthur Huntley« verloren. Von Port Natal an der Südostecke Afrikas in Ballast kommend, ankerte erstere am 5. Oktober 1880 vor Tupilco an der mexikanischen Tabasco-Küste. Gegen Mittag setzte ein an dieser Küste häufig vorkommender "Norder" ein. Vor einer 55 Faden langen, zur Druckentlastung mit einer schweren Talje belegten Ankerkette ritt die Schonerbrigg die sich riesig auftürmenden Seen ab, welche der Kapitän mehr fürchtete als den Sturm. Mehr Kette zur weiteren Entlastung des hochgekeilten Spills konnte nicht ausgesteckt werden, da bereits hinter dem Heck des Seglers die Brandung einsetzte. Gegen 3 Uhr nachmittags brachen die Ketten der zwei neben dem Rostocker ankernden Schiffe. Schiffer Schultz erwog zuerst, die Masten zu kappen, doch ließ er dann, um manövrierfähig zu bleiben, statt dessen die Rahen in Windrichtung brassen, einen weiteren Gien auf die Kette setzen und das Spill noch höher keilen. Als zweieinhalb Stunden später mehrere gewaltige Sturzseen kurz hintereinander gegen die »Heinrich Sellschopp« liefen, barst auch ihre Kette durch das ruckartige Einsetzen in die See. Unter großen Schwierigkeiten setzte man noch die Fock und Untermarssegel und segelte das Schiff hoch auf den sandigen Strand. Mit einsetzender Ebbe ließ die Kraft der Brandung nach, und am nächsten Tag konnte die Besatzung trockenen Fußes das Schiff verlassen. Bis zur Flut wurde soviel wie möglich vom Inventar geborgen. Schon am anderen Tag brach der Rumpf auf, dessen spätere Versteigerung einen Erlös von ganzen 278 Talern einbrachte.

letzte Änderung: 13.05.2015